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29.01.2025

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Rückzugsort Betonbox

Wohnhaus auf Okinawa von Studio Cochi


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Auf der südlichen japanischen Inselgruppe Okinawa entwarf das Büro Studio Cochi (Nanjō) ein Eigenheim für eine dreiköpfige Familie. Das Haus mit rund 90 Quadratmetern Wohnfläche steht in der Küstenstadt Itoban und wahrt zu seinen Nachbarn eine strikte Distanz.

Okinawas relativ isolierte Lage – etwa eine volltägige Fährfahrt von den japanischen Hauptinseln entfernt – ist spürbar. Noch immer zeugen hier kulturelle und sprachliche Fragmente vom ehemaligen Königreich Ryūkyū, das bis ins 19. Jahrhundert bestand. Auf dem Archipel, der heute vor allem von Tourismus profitiert, leben inzwischen 1,4 Millionen Menschen. Der Großteil davon sammelt sich auf der südlichen Insel Okinawa Hontō um die Großstadt Naha, zu deren Metropolraum auch Itoban gehört.

Das von Studio Cochi entworfene Einfamilienhaus befindet sich im Stadtteil Nishizaki in einem Wohngebiet, das auf neu gewonnenem Land entstand. Der quaderförmige Baukörper steht introvertiert am Rand einer Straße mit hohem Verkehrsaufkommen, die direkt zu Nahas Flughafen führt. Vorbeifahrenden zeigt er nur eine kantige, fensterlose Front aus Sichtbeton.

Die fast komplette Abschottung des Innenraums geschah auf Wunsch des Bauherren, der sich eine urbane Oase wünschte. Auf Sichtverbindungen zur Umgebung habe er wenig Wert gelegt, erklären Studio Cochi, dafür jedoch auf möglichst viel natürliches Licht und Luftströmung. Die ganzjährige Taifungefahr und die unruhige, lärmbelastete Umgebung seien weitere Gründe für ein solch massives Haus gewesen. In seiner klösterlichen Anmutung lässt es an ein ebenfalls fensterarmes Stadthaus in Barcelona von Harquitectes denken. Auch auf der Rückseite öffneten die Architekt*innen die Fassade lediglich im unteren Drittel und schufen damit einen geschützten Eingang in Richtung einer ruhigen Nebengasse.

Innen entfaltet der Betonkörper seine skulpturale Wirkung. Hier übertrumpft der Wunsch nach einer eindrucksvollen, sicheren Atmosphäre den Bedarf an privatem Wohnraum. Das Erdgeschoss empfängt mit einem Tatami-Raum und den öffentlichen Funktionen. An der Stirnseite legt sich eine Treppe mit halbrundem Auge in den Freiraum. Um ins Schlafzimmer zu gelangen, durchschreitet die dreiköpfige Familie die hohe Wohnküche über eine Brücke. Sämtliche Fenster orientieren sich entweder zu den blickdichten Freibereichen an den jeweiligen Enden des Hauses oder sind direkt ins Dach geschnitten. (tg)

Fotos: Ooki Jingu


Zum Thema:

Japans Metropolen werden nach und nach verdichtet. In Japans Hauptstadt Tokio wird Baugrund indes in der Nachbarschaft des Kaiserpalasts und mit platzoptimierten Kubaturen beplant. Einfamilienhäuser ringen hier in der Regel um jeden Quadratmeter Wohnfläche und Lichteintrag.


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Kommentare
...geben nicht die Meinung der Redaktion wieder, sondern ausschließlich die ihrer jeweiligen Verfasserinnen und Verfasser.

5

reto | 31.01.2025 08:51 Uhr

Moment

mal bitte. Ich finde japanische Wohnhäuser auch häufig absurd und für unsere Verhältnisse völlig unverständlich. Aber bevor man sich - wie die vier Vorkommentatoren - derart abfällig äußert sollt man sich klar machen, dass Ablehnung häufig aus Unverständnis resultiert. Man sollte sich also die Frage stellen: ist das wirklich so schlecht oder kann es sein, dass ich den Ansatz (noch dazu in einer fremden Kultur) nicht verstanden habe. Ein Prinzip übrigens, das sich auch ganz hervorragend auf andere Lebensbereiche anwenden lässt und für ein entspannteres Miteinander sorgen kann.

4

Nicht | 30.01.2025 16:20 Uhr

(nur) wg. Normen

...sondern auch allein mit geusndem menschenverstand, ist das OG nicht für den kleinen Enkel zugelassen. Keine Brüstung an der Brücke sondern nur ein Handlauf?! Naja, vielleicht wurden ja noch großzügig Fallschutzmatten ausgelegt, nachdem der Fotograf das Haus verlassen hat.
Lichtführung, Blickbeziehungen etc. im Inenraum immer wieder schon ziemlich toll ! Wohnqualität... ?najaaaaa...

Wirkt für mich wie eine umgesetzte Übung aus der Unterstufe im Fachgebiet "Raumgestaltung", was nicht so abschätzig gemeint ist, wie es vielleicht klingt.
Aber mehr Abschottung nach außen geht wohl nicht.
Wenn alle so bauen würden... Nunja...

3

AEI | 30.01.2025 09:54 Uhr

Wer mit einem Krabbelkind

in dieses Haus einzieht, wird kaum Muße haben, den Ausblick auf die Kiesflächen zu genießen. Wieso plant man ein Einfamilienhaus, das sich überhaupt nur von gesunden Erwachsenen einigermaßen gefahrlos benutzen lässt?

2

:D | 30.01.2025 09:51 Uhr

sieht ...

... gemütlich aus.

1

FJH | 29.01.2025 19:43 Uhr

Rückzugsort Betonbox

Als Ausstellungsstück einer Firma, die mit Beton hantiert, okay. Als Rückzugsort von menschlichen Wesen eine klaustrophobische Höhle, der schiere Wahnsinn. Geeignet vielleicht als Kulisse für Horrorfilme.

 
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