„Fanal für den Fortschritt“, so nennen Next Architects (Amsterdam/Peking) ihren Neubau Waag Woensel-West in Eindhoven. Mit dessen Eröffnung wird eine intensive Umbauphase des Viertels Woensel-West abgeschlossen. Denn der Stadtteil entstand in den 1930er-Jahren als einfaches Quartier für die Arbeiter*innen der benachbarten Philips-Fabriken.
Spätestens als das globale Elektronikunternehmen in den 1990er-Jahren seine Geburtsstadt langsam verließ, ging es mit Woensel-West bergab. In den 2000er-Jahren war von einem Problemviertel mit komplexen Problemen die Rede, und ab 2007 begann der umfassende Umbau: Ein Bewohner*innenrat bildete sich, öffentliche Plätze wurden umgestaltet und mit neuer Beleuchtung ausgerüstet. Einige besonders berüchtigte Cafés wurden geschlossen, etliche Häuser abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Die Grundschule zog um, und die Prostitution bekam einen kontrollierten Platz zugewiesen. Heute gilt der Stadtumbau von Woensel-West in den Niederlanden als Erfolgsbeispiel.
Next Architects hatten bereits 2003 eine städtebauliche Studie für den Stadtteil mit dem Titel „Weil Geschmäcker verschieden sind“ vorgestellt. Einige Ideen des Stadtumbaus entstammen dieser Studie – so auch jene für dieses Projekt. In der Sichtachse der Edisonstraat, die als zentrale Achse den Stadtteil durchschneidet, sollte ein auffälliges Gebäude entstehen, ein Haus, so beschreiben es Next, das „die bunte Nachbarschaft mit einer ausdrucksstarken Gestaltung umarmt.“
Die Architektur bezieht sich dabei auf das historische Vorbild der städtischen sogenannten Waagen, die als auffallend prächtige Häuser früher viele Innenstädte der Niederlande prägten. Mit der neuen Waage für Woensel-West entstand nun eine zeitgenössische Variante, ein einladendes, an allen vier Seiten freistehendes Haus mit auffällig variantenreicher Gestaltung. Dazu gehören unterschiedliche Fensterformen, fantasievolle geformte Ecken – stellenweise könnte man an Friedensreich Hundertwasser denken – sowie einem weich nach oben gebogenen Dachabschluss und natürlich nicht zuletzt: einer Farbgebung der Fassaden in grellem Orange.
Im Erdgeschoss gibt es einen großen Raum, der als Gemeinschaftsraum den Anwohner*innen zur flexiblen Nutzung für Feiern, Diskussionen oder gemeinsame Essen zur Verfügung steht. Im Rest des Hauses sind auf sieben Etagen 28 geförderte Wohnungen entstanden, von kleineren Einheiten für ein oder zwei Personen bis zu Maisonetten für Familien. Im 4. Stock liegt zudem eine große, begrünte Terrasse, die alle Bewohner*innen nutzen können. (fh)
Fotos: Loes van Duijvendijk
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solong | 12.12.2023 13:17 Uhreher gewollte
... als gekonnt ... aber manchmal braucht man auch mal etwas kitsch ... und auch wenn architektonisch recht "furchtbar" doch ganz frisch und lebensbejahend in seiner außenwirkung ...