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01.04.2025
Asketisch ergänzt in Kortrijk
Museum von Barozzi Veiga und Tab Architects
Im südbelgischen Kortrijk haben sich Barozzi Veiga (Barcelona) und Tab Architects (Gent) einer kniffligen Planungsaufgabe mit vielen baulichen Herausforderungen gestellt. Die Älteste stammt noch aus dem Mittelalter: Eine frühere Abtei der Zisterzienser sollte in ein Kunstmuseum transformiert werden. Den Hof des einstigen Klosters versahen sie außerdem mit einem monumentalen Eingangsbau. Am vergangenen Freitag war Eröffnung.
Die Groeningeabdij prägt seit dem 16. Jahrhundert den sogenannten Begijnenhof im historischen Stadtkern Kortrijks. Bis zur französischen Revolution residierten hier Zisterzienserinnen. Dann wurde die Abtei aufgelöst und teilweise abgetragen. Die verbleibenden Flügel bezogen später Nonnen der Klarissen, die noch bis in die 1970er Jahre in der Anlage wohnten. Schließlich ging das Bauwerk in den Besitz der Stadt über. Zeitweise war ein Abriss geplant, den eine Bürgerinitiative aber verhindern konnte. Die Idee der Museumsnutzung war kurz danach geboren.
Seit 2006 belegt das Stadtmuseum die Räume der einstigen Schlafsäle. Mit dem neuen Museum namens Abby möchte Kortrijk nun die örtliche Kunstsammlung wieder zugänglich machen, die seit der Schließung ihres früheren Standorts eingelagert war. Daneben möchte sie mit dem Projekt aber auch die Positionierung der Stadt als zeitgenössisches Kunst- und Kreativzentrum fortschreiben. „Wir wollen einen allumfassenden Ansatz, der den Ambitionen einer kreativen Region gerecht wird”, hieß es in der Wettbewerbsausschreibung aus dem Jahr 2018. Den Open Oproep (siehe unsere BauNetzWOCHE zum Wunder von Flandern) gewannen die Architekt*innen 2020.
Die nun abgeschlossenen Eingriffe in den Bestand reichen von behutsam bis radikal. Zuerst entfernte das Team sämtliche später umgesetzten Anbauten und Ergänzungen und schuf einen neuen Zugang aus der Altstadt direkt in den Hof. Dort soll noch ein öffentlicher Garten entstehen. Ansonsten wurden historische Klosterfassaden teils nach originalen Zeichnungen wiederhergestellt, die Innenräume saniert und diese um Details wie eingelassene Vitrinen oder abgelassene Vorhänge ergänzt. Koplamp Architecten (Roeselare) übernahmen die denkmalgerechte Umbauplanung.
Offenkundig zeitgenössisch – wenn auch gut zur asketisch-zurückhaltenden Gestaltungsidee der Zisterzienser passend – präsentiert sich der monolithische Eingangsbau inmitten der kleinteiligen Hoffassaden. Rund 14 Meter aufragend und in dunkle Ziegel gehüllt, erreicht er knapp den First des höchsten Abteiflügels. Auf dessen Dach soll seine Gestaltung anspielen. Sein blutrotes Inneres nimmt das neue Café auf. Über seine gesamte Höhe erfahrbar und mit einem Oberlicht ausgestattet, strahlt der Raum passend zur Umgebung sakrales Flair aus.
Ein Kraftakt war darüber hinaus der Bau weiterer Ausstellungsräume im Untergrund. Der gesamte mittlere Flügel des Bestands musste während der Arbeiten abgefangen und statisch verstärkt werden. Jüngste Aufnahmen von Google Earth zeigen den Mittelbau noch scheinbar schwebend über der Baugrube. Der Aufwand hierfür dürfte immens gewesen sein. Doch ermöglicht es dieser Ansatz schließlich, dem historischen Bestand genügend Raum zu lassen. (tg)
Fotos: Simone Marcolin
Zum Thema:
2020 entschied das Team Barozzi Veiga und Tab Architects bereits den Wettbewerb für die Erweiterung des jüdischen Museums in Brüssel für sich.
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