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31.03.2025

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Stamm im Haus

Bürogebäude in Gossau von K&L Architekten und ICD Stuttgart


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Vom Schweizer Holzbauer Blumer Lehmann war schon häufiger im BauNetz die Rede – unter anderem bei einer Schulerweiterung, einer Eventhalle und einer Moschee. Kam dem Unternehmen bisher immer die Support-Rolle zu, steht es nun als Bauherr selbst im Fokus. Am Firmensitz in Gossau im Kanton St. Gallen steht seit Kurzem ein neues Hauptgebäude. Gemeinsam entwickelt haben es K&L Architekten aus St. Gallen in Zusammenarbeit mit dem Institut für computerbasiertes Entwerfen der Universität Stuttgart unter Lehrstuhlinhaber Achim Menges und natürlich das eigene Team an Ingenieur*innen.

Seit 1875 gibt es Blumer Lehmann, heute sind die Schweizer weltweit tätig. Am eher ländlich anmutenden Hauptsitz namens Erlenhof am Rand einer Streusiedlung nahe Gossau sind 500 Mitarbeiter*innen mit der Entwicklung und Produktion beschäftigt. Das neue Gebäude bietet rund 180 Büroarbeitsplätze, Veranstaltungs- und Eventräume und eine Cafeteria. Die benachbarten Produktionshallen sind über eine Passerelle im zweiten Obergeschoß zu erreichen. Insgesamt sind es fünf Geschosse über einem viereckigen Grundriss mit einseitig spitzwinkliger Form.

Errichtet wurde das Haus als Holz-Skelettbau mit aussteifendem Betonkern und einer Holz-Beton-Holz-Verbundlösung für die Decken. Hierbei wurden Aussparungen in die Deckenbalken und Bodenplatten gefräst, was – nach der Montage mit Beton ausgefüllt – neuartige schubfeste Verbindungen ergab. Die Fassade wurde samt vertikaler Lisenen und umlaufender Balkonen vorgehängt. Die Büroflächen liegen außen, während um den mit grünlasierter Weißtanne verkleideten Betonkern Rückzugsräume, Teeküchen und Garderobennischen zu finden sind. Lehmwände verbessern das Raumklima, Akustikdecken und Naturteppichböden tragen zur Raumakustik bei.

Der eigentliche Clou des Gebäudes ist allerdings in seinem konzeptionellen Spitznamen zu finden: Stammhaus. Der rekurriert nicht auf das Material, sondern auf ein freigeformtes Atrium, das wie ein irregulär wachsender Baumstamm die rationale Logik des Geschossbürobaus durchbricht. Entwickelt wurde dieses Atrium im Team mit dem bereits erwähnten Institut von Achim Menges. Als Statikingenieure an der Entwicklung des Atriums waren außerdem SJB Kempter Fitze (u.a. Gossau) an der Umsetzung beteiligt.

Die Struktur aus gekrümmten Holzbauteilen ist nicht nur über die gesamte Gebäudehöhe hinweg selbsttragend, sondern sie nimmt zusätzlich auch die Lasten der Treppenanlage sowie Teillasten aus den angrenzenden Geschossdecken und der darüberliegenden Dachstruktur auf. Der Querschnitt der kreuzweise verleimten Elemente aus Fichte beträgt hierbei nur maximal 130 Millimeter.

Für Blumer Lehmann und das ICD war das Atrium die Fortsetzung einer Zusammenarbeit, der schon der Aussichtsturm der Landesgartenschau in Wangen entsprang. Hierbei wurde ein Verfahren entwickelt, bei dem aktive und restriktive Schichten zunächst flach verleimt werden. Die Krümmung ergibt sich dann im Rahmen einer kontrollierten Trocknung aus dem unterschiedlichen Feuchtigkeitsgehalt der Schichten und dem daraus resultierenden Schwund. Eine Technik, die das Unternehmen nun auch in sein reguläres Repertoire aufgenommen hat. (sb)

Fotos: Jan Thoma, ICD Universität Stuttgart


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Kommentare
...geben nicht die Meinung der Redaktion wieder, sondern ausschließlich die ihrer jeweiligen Verfasserinnen und Verfasser.

10

Hirsch | 02.04.2025 13:16 Uhr

Claus, wäre mineralisch überhaupt vitruvianisch?

Den Canyon könnte ich mir sehr gut mineralisch vorstellen. Vielleicht wäre es konzeptionell auch noch stärker.

Allerdings frage ich mich, wie würde man diese, nennen wir sie dreidimensionale Freiform, aus Beton herstellen? Die typischen flächigen Schaltafeln könnten nicht genutzt werden, notwendig wären zahlreiche individuelle "3d-gedruckte" Schaltafeln aus Holz. Größerer Holzaufwand für die Schalung zuzüglich Betonaufwand, ob das sinnvoll wäre?
Dann vielleicht lieber Beton-3D-Druck. Aber wäre das dann vitruvianisch, Beton gedruckt, und nicht gegossen. Dann müsste das "3d-gedruckte" Holz ja auch in Ordnung sein. Dann doch lieber mauern? Die Sicht der Fotos zeigt, gewisse Formen wären nicht darstellbar. Also Beton wie?

Ist das lineare Brett nun die natürliche Form von Holz? Bei einer kerzengraden Fichte mag das naheligend sein. Wie sieht's jedoch beim knorrigen Olivenbaum aus? Ist dieser nun wirklich "primär linear"? Oder nicht doch eher "3d-gedruckt"?

9

Ein Bild | 02.04.2025 09:10 Uhr

Sagt mehr als 1.000 Worte

Der Schreiner in Bild 31 kann immer noch nicht fassen, was er da vollbracht hat...

8

claus | 01.04.2025 20:48 Uhr

Schöne Bilder, enge Dogmen

Das Bild eines jordanischen Canyons finde ich sehr schön, warum man das aber aus dem Holz zwängen muss erschließt sich mir trotzdem nicht. Sicher hat die Treppe hohe räumliche Qualitäten, aber es knirscht doch schon an einigen buchstäblichen Ecken und Kanten.

Gerade vor diesem Hintergrund finde ich es schon wichtig, über die tektonischen Materialeigenschaften von Holz zu sprechen und das ist nunmal primär linear und nicht 3-d-gedruckt. In der daliegenden Form finde ich die Materialverwendung unangemessen. Sicher ist es technisch möglich und muss vielleicht auch ausprobiert werden, aber ob es auch vitruvianisch sinnvoll ist das zu tun, finde ich diskutierbar.

Das Haus wäre kein Deut schlechter geworden, wenn man bei der Treppe auf das Holzdogma verzichtet und einen z.B. mineralischen Kontrast zum sehr schönen Holzhaus gesetzt hätte.

7

Hirsch | 01.04.2025 17:39 Uhr

Vielleicht

wäre lediglich eine andere Bezeichnung sinnvoller:
statt "Stammbaum" lieber "jordanischer Canyon". So sieht's dort nämlich aus. Dazu passt dann auch die horizontale Maserung des Holzes besser, in einem Baum verläuft diese vertikal.

Die Aufgabe "jordanischer Canyon als Holz-Treppenhaus" für mich mit Bravour gelöst. Sehr schöne Sichten.

6

Marco Goetz | 01.04.2025 13:24 Uhr

Bitte um Mäßigung

Wie so oft kann ich mich über die herablassenden Kommentare angesichts dieser sehr diskutablen und schön gemachten Architektur nur wundern.

Man mag die Idee des Baumstamms im Stammhaus (sic!) eines Holzbauunternehmens etwas platt finden.

Hätte mir das aber niemand erzählt, würde ich mich an diesem schönen, komplex geformten hölzernen Treppenraum (schon ein Kunststück!) umso mehr erfreuen.

Holz auf seine Linearität zu reduzieren, das ist mir zu kurz gesprungen.

5

50667 | 01.04.2025 10:34 Uhr

Diese große Geste...


...hätte einen souveränen Entwurf und deutlich mehr Lockerheit erfordert...leider nicht gut gemacht...schade..

4

auch ein | 01.04.2025 09:23 Uhr

architekt

man muss nich ALLES in einem gebäude unterbringen, was man alles kann.

ein showroom der eigenen leistungsfähigkit,
weniger hätte es auch getan.

und der vergleich mit dem stück ast??? voll daneben

3

claus | 31.03.2025 20:28 Uhr

lineare Kurven

Die Büroräume sind ganz ordentlich gelungen, vielleicht etwas zu uni in Holz, da geben die gebeizten Oberflächen im Kern einen recht guten Kontrast, von dem man sich vielleicht noch etwas mehr gewünscht hätte, aber das ist nur sekundär.

Das verkrampte Gewürge bei dem Baum im Zentrum jedoch - eine im Übrigen zeimlich flache Kitschmetapher - tut echt weh. Ich finde es zeigt recht klar auf, dass Holz im Grunde ein linearer Baustoff ist. Das monolithische geht hier leider hinten und vorne an komischen Richtungswechseln und polygonalen Übergängen im Material verloren.

Es ist ja erstmal schon etwas eigenartig, dass die organische Form sich leichter mineralisch als hölzern umsetzen lässt, zugegeben. Aber aus einem graden Brett wird halt nur im kleinen Maßstab eine schöne Kurve. Daher hier vielleicht doch am eigenen Dogma gescheitert.

2

stauBmeier | 31.03.2025 16:29 Uhr

ich habe dann

aufgehört weiterzuklicken,
weil ich kein Holz mehr sehen konnte.
Ein Paradoxon.

1

Arcseyler | 31.03.2025 16:01 Uhr

.www

Die Linearität von Holz eröffnet das Spiel der Zwischenräume vom größten zum kleinsten. Wie beim Fachwerk. Diese sind raumgestaltend im modernen Sinn. Hier liegt der ganz eigene Charakter des Holzbaus.Auch hierbei geht es um den Raum.

 
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