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07.03.2023

Buchtipp: Women in Architecture Berlin

Facetten weiblicher Baukultur


Morgen ist Weltfrauentag – Symbol eines langen Kampfes und Engagements für die Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft. In Deutschland sind Männer und Frauen gesetzlich längst gleichgestellt, den Alltag prägen jedoch noch immer strukturelle Benachteiligungen von Frauen. Auch in der Baukultur ist eine Gleichstellung noch lange nicht erreicht, wie 2021 eine Studie der Bundesarchitektenkammer zeigte.

Aus diesem Grund organisierten vor knapp zwei Jahren ein Netzwerk von Architektinnen und Planerinnen namens n-ails e.V. gemeinsam mit der Architektenkammer Berlin das Festival Women in Architecture Berlin. In zahlreichen Veranstaltungen und Formaten setzten sich die Teilnehmer*innen mit beruflichen Perspektiven von Frauen und ihrer Rolle in der Architektur auseinander. Insgesamt hat das Festival viel gutes angeschoben, erzählt Elke Duda (Koordinatorin des Festivals) auf Nachfrage der BauNetz-Redaktion: „Viele der WIA Akteur:innen haben das Festival zum Anlass genommen, in den eigenen Reihen genauer hinzuschauen und das Thema Gleichstellung aktiv anzugehen.“ Neben Namensänderungen des BDA und BDLA Berlin verweist Duda auf eine gewachsene Aufmerksamkeit in den Medien und eine erhöhte Beteiligung von Frauen bei Veranstaltungen oder Buchveröffentlichungen.

Dazu passt, dass nun auch ein Buch zum Festival erschienen ist, das viele der damaligen Veranstaltungen und Beiträge aufgreift. Gegliedert ist es in vier Kapitel, die jeweils zentrale Problemfelder der Gleichstellung in Architektur und Planung beschreiben. So geht es ganz konkret um den Arbeitsalltag, aber auch um zugrundeliegende Strukturen und internationale Perspektiven. Symptomatisch ist, dass sich die Herausforderungen oft nur sehr schwer abgrenzen lassen. So führt eine asymmetrische Aufgabenverteilung im Familienleben nicht selten eben auch zu weniger Aufmerksamkeit im Beruf, während in der Zwischenzeit männergeleitete Büros noch immer die baukulturellen Debatten dominieren. Kurze Portraits einzelner Architektinnen und ihrer Werke aus der Vergangenheit zeigen außerdem die historische Dimension der Probleme. Ob Astra Zarina, Elisabeth Scheu Close oder Gisela Schmidt-Krayer, sie alle waren bemerkenswerte Architektinnen mit bedeutenden Werkverzeichnisse und sind dennoch heute weitgehend unbekannt.

Gut also, dass die Mitglieder von n-ails mit viel ehrenamtlichem Engagement das vorliegende Buch zusammengestellt haben. Es enthält neben thematischen Beiträgen auch eine Übersicht von Aktivitäten und Projekten, die maßgeblich von Frauen verantwortet wurden. Klar benannt werden darüber hinaus nicht nur Defizite, sondern auch viele Impulse bezüglich des akuten Handlungsbedarfs – im Großen wie im Kleinen.

Kritisch anzumerken wäre vielleicht, dass vor allem solche Akteurinnen zu Wort kommen, die bereits eine hörbare Stimme in der Fachöffentlichkeit haben. Architektinnen, die beispielsweise aus Gründen der Care-Arbeit unsichtbar sind, bleiben es auch hier. Außerdem konnte vieles mit Blick auf den beschränkten Umfang eines Buches nur angerissen werden. Konkretere Hinweise bezüglich weitergehender Informationen wären da manchmal hilfreich gewesen.

Die Botschaft des Buches zum morgigen Weltfrauentag ist jedoch klar: Es zeichnet sich ein Wandel ab, doch wir stehen noch immer am Anfang. Ob darum noch einmal ein Festival stattfinden wird? Bestimmt! „Eine Wiederholung ist für alle Beteiligten ein Muss und die Gespräche dazu versiegen nicht“, sagt Elke Duda und verweist auf die anhaltenden Bemühungen ihres Vereins und der Architektenkammern.

Text: Sophie Marthe

Women in Architecture Berlin. Facetten weiblicher Baukultur

n-ails e.V. (Hg.)
172 Seiten
Jovis Verlag, Berlin 2022
ISBN: 978-3-86859-763-9
35 Euro



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