Ministadt in Ammerbuch
Gemeinschaftsschule von K9 Architekten
Seit 2013 gibt es die Gemeinschaftsschule in Ammerbuch, und inzwischen hat die Einrichtung für ihr besonderes Konzept, dessen Geschichte noch länger zurückreicht, ein individuelles Gebäude bekommen. Den Neubau planten K9 Architekten (Freiburg) zusammen mit Ernst2 Architekten (Stuttgart), mit denen sie auch das Pädagogik-Institut für die Leibniz-Gemeinschaft in Frankfurt am Main realisiert haben.
Die Schüler und Schülerinnen der Gemeinschaftsschule Ammerbuch werden von der Grundschule bis zum Schulabschluss gemeinsam auf einer Schule und für eine bestimmte Stundenzahl auch zusammen in einer Klasse unterrichtet. Gleichzeitig kann jedes Kind individuell gefördert einen anderen Schulabschluss machen. Die Lehrer agieren dabei als Beobachter, Lernbegleiter und Coaches. Kooperative Lernformen, Elternmitarbeit und Partnerschaften mit außerschulischen Akteuren sind zentrale Bestandteile des Konzepts. K9 Architekten entwarfen dementsprechend für die Schulgemeinschaft in Ammerbuch ein Gebäude, das dieser Vorstellung von Kollektivität Raum gibt. Vier verschränkte Volumina bilden bei knapp 10.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche die verschiedenen „Stadtteile“ der Schule, die sich nach Grundschule, Sekundarstufe, Fachklassen und Sport unterscheiden.
Die Klassen- und Fachräume der ein- bis zweigeschossigen Schullandschaft gruppieren sich um Lichthöfe, die neben dem Pausenhof als geschützte Außenräume zur Verfügung stehen. Dabei bilden sich in den zueinander versetzten Raumgruppen vielseitige Zwischenräume, in denen ebenso gelernt wie gespielt werden kann. Ein Schulgebäude, gegliedert wie eine kleine Stadt, da darf auch der „Marktplatz“ nicht fehlen. Im Schuljargon spricht man von einer Aula mit schöner Treppe, die sich in der GMS Ammerbuch im zentralen Gebäudeteil der Schule befindet. Hinzu kommt eine Sporthalle als Mehrzweckraum, der sich außerhalb der Schulzeiten auch für Feste und Veranstaltungen der Ammerbucher Stadtgemeinschaft nutzen lässt.
Innenwände aus Sichtbeton und rote Linoleumböden erinnern etwas an Schulgebäude der vergangenen Generation, ergänzt wird diese Gestaltung von K9 Architekten durch bunte Farben an Türen und in den Umkleidekabinen. Holzfenster und -böden sorgen für ein behagliches Raumklima, duch die großformatigen Öffnungen in der Fassade können die Kinder während der Koch- oder Roboter-AG ihren Blick auch mal über die Hangkante des angrenzenden Schönbuchs schweifen lassen. Und wem so viel Gemeinschaft zu viel wird – daran haben die Architekten auch gedacht – der nutzt einfach den Time-Out-Raum, den man sich so sicherlich auch in anderen Institutionen wünschen darf. (kg)
Fotos: Oliver Rieger
Kann man von diesem Satz leider nicht sagen.
Aber es ist eben ein Unterschied, ob man sich Bildchen im Internet anschaut und irgendwelche sinnentleerten Allgemeinplätze postet oder selber etwas baut und daraus Schlüsse zieht auch mit kritischem Blick auf die Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns.
Sehr gut hergeleitet und geschrieben! Endlich Substanz , Begründung (ohne Rechtfertigung), Plausibilisierung statt philosophischem Geschwurbel. Danke! Das würde auch einigen baunetz-Redaktionskommentaren besser stehen als die Architektenbeschreibungen zu übernehmen, danke auch an diese Stelle für mehr Reflektion als Fachmedium und nicht als Vorlage für Studenten- und Assistenten-Entwurdsbeschreibung.
ich möchte mal behilflich sein beim Beantworten Ihrer Fragen: Es stimmt, dass HWL aktuell eine gerne genommene Deckenbekleidung ist. Es stimmt auch, dass HWL - oder wie man früher sagte Sauerkraut-Platten - etwas über unser Bildungssystem aussagt: Nämlich, dass die Planer ein vergleichweise umweltfreundliches Material einsetzen, welches neben vollständiger Deckenbekleidung auch als Deckensegel eingesetzt werden kann und somit die (zumeist) Stahlbetondecke als temperaturregulierendes Element (Nachtauskühlung -> Nachhaltigkeit) ermöglichen. 75 Jahre einschl. möglicher vierfacher Beschichtung sind sicherlich auch im Sinne der Umwelt und des Investors. Leider ist diese Antwort vermutlich nicht im Ihren Sinne! Ich weiß nicht, wie es im Knast aussieht. Ich kenne auch keinen Architekten, der a) seinen Willen "durchsetzen" möchte und b) ein "Knast-Feeling" erzeugen will. Früher hat man Schulen gerne innen geklinkert. Warum? Robustheit und damit Nachhaltigkeit standen im Vordergrund. Dann kamen Putz und GK, welche mindestens jährlich gestrichen werden mussten, wollte man einen sauberen Eindruck haben. Bis man den notwendigen kulturellen Schritt gemacht hat, Sichtbeton als das zu sehen, was es ist: ein sortenrein recyclebarer, sehr robuster Baustoff, der auch übermorgen noch seine Funktion erfüllt. Ob man ihn grau lässt, einfärbt oder mit grafischen Elementen arbeitet, steht jedem frei. Auch nach mehrmaligen Durchklicken der Bilder habe ich kein Playmobil gefunden. Meine dringende Empfehlung: Verlassen Sie den gedanklichen Knast, schauen Sie sich im Schulbau mal um, reden Sie mit Bauherrn, Planern, Nutzern und melden Sie sich dann wieder hier, wo ein gewisses fachliches Niveau gern gesehen wird.